Die Via de la Plata: Pilgern fernab der Massen

„Ich bin dann mal weg“. Was ist dieser Satz inzwischen bekannt geworden, seitdem Hape Kerkeling 2006 eines der bekanntesten deutschsprachigen Sachbücher über den Jakobsweg veröffentlicht hat. Und auch die Pilgerzahlen sind seitdem gestiegen.

Doch nicht nur die Deutschen, auch international machen sich jährlich immer mehr Menschen auf, um den bekannten Pilgerweg zum Grab des Apostels Jakob nach Santiago de Compostela zu pilgern.

Der Pilger-Boom hat auch Schattenseiten

Was den einen freut, macht den anderen traurig: Durch die steigenden Pilgerzahlen ist der Jakobsweg wesentlich voller geworden. Die Infrastruktur wurde verbessert, die Beschilderung verstärkt und es wurden mehr Unterkünfte speziell für Pilger erreichtet (sogenannte Pilgerherbergen, in den man nur mit einem Pilgerausweis übernachten darf gegen einen kleinen Unkostenbeitrag).

Die Menschen und Spanier, die direkt am Jakobsweg leben, können diesen kleinen Pilger-Boom sicher gut gebrauchen, denn die Situation der Arbeitsplätze in Spanien ist – besonders bei den jungen Menschen – alles andere als rosig. Und auch die vielen Pilger, die zum ersten Mal in ein solches Abenteuer einer Fernwanderung aufbrechen, freuen sich womöglich über die Bedingungen.

Des einen Freud, des anderen Leid

Zugleich gibt es eine ganze Reihe von Pilgern, die diese Entwicklung mit einem traurigen Auge sehen. Oftmals sind es erfahrene Pilger, die damals noch den wesentlich leereren und weniger touristischen Jakobsweg gepilgert sind.

Sie vermissen heute manchmal den eigentlichen „Pilger-Spirit“, das nach innen schauende, der Grund, warum die meisten Pilger eben pilgern gehen. Denn je weniger ruhig der Weg ist, desto schwieriger kann es werden, sich auf sich zu besinnen, sich wirklich eine Auszeit zu nehmen.

Daher schauen einige Pilger sich vermehrt nach Alternativen zum populären Jakobsweg um. Dabei entdecken sie, dass es gar nicht nur einen Jakobsweg gibt, sondern sogar sehr viele. In Wirklichkeit gibt es ein ganzes Netz von Jakobswegen, das sich durch Europa spannt und sämtliche Länder mit einschließt. Die allermeisten Menschen kennen nur eben diesen einen Jakobsweg nur, den bekannten „Camino Francés“, so heißt er nämlich.

Alternativen zum bekanntesten Jakobsweg

Dabei gibt es noch viele andere, weitaus weniger bekannte, doch nicht minderschöne und herausfordernde Jakobswege in Europa und auch in Spanien speziell. Einen davon ist die Via de la Plata (mehr Informationen dazu finden Sie auf dieser Webseite speziell zu diesem Weg).

Sie führt nicht, wie der bekannte Camino Francés, vom Nord-Osten Spaniens nach Westen und in Richtung Santiago de Compostela. Nein, sie beginnt interessanterweise ganz im Süden Spaniens, in Sevilla, und führt von dort gen Norden und dann schließlich gen Nord-Westen und endet ebenfalls am bekannten Pilger-Ziel in Santiago.

Die Via de la Plata als Geheimtipp

Die Via de la Plata ist mit über 1.000 Kilometern Länge einer der längsten Jakobswege überhaupt. Wer diesen Weg am Stück pilgern möchte, sollte sich mindestens sechs Wochen freischaufeln. Möchte man nicht in Stress geraten, auch einmal irgendwo unterwegs für 1, 2 Tage bleiben, so werden gar sieben oder acht Wochen Reisedauer empfohlen.

Gerade ungeübte Pilger, die zum ersten Mal eine Fernwanderung unternehmen, sollten mit ihren Kräften besonders zu Beginn der Reise haushalten. Längen von 20 Kilometern pro Tag können in den ersten Tagen der Reise schon herausfordernd genug sein.

Denn Sie dürfen eines nicht vergessen: Anders als bei ihrer Tageswanderung daheim am Wochenende, tragen Sie auf dem Jakobsweg Ihr Gepäck und Hab und Gut für mehrere Wochen in Ihrem Rucksack auf dem Rücken mit sich herum.

Achten Sie auf das Gewicht Ihres Rucksacks

Es ist ein Unterschied, ob Sie mit 2 Bananen und einer Flasche Wasser wandern gehen, oder mit 9 Kilogramm Gewicht auf dem Rücken durch die Landschaft marschieren. Probieren Sie es selbst aus, und Sie werden wissen, was wir meinen. Eine sorgfältige Wahl der Ausrüstung und Packliste ist daher sehr zu empfohlen. Einige Tipps von erfahrenen Pilgern finden Sie diesbezüglich auch hier.

Sorgen um zu viel Pilger und zu wenig Ruhe müssen Sie sich auf der Via de la Plata – anders als auf anderen Wegen – eher nicht machen. Hier haben Sie es dafür mit anderen Herausforderungen zu tun, etwa der Hitze. Da der Weg, wie bereits gesagt, ganz im Süden Spaniens startet, sind tagsüber im Sommer mit Temperaturen von bis zu 40 Grad im Schatten zu rechnen.

Die Magie des Pilgerns

Daher empfehlen wir Ihnen dringend, Ihre Reise auf der Via de la Plata nicht während der Sommerzeit zu unternehmen.  Das können Sie auf anderen, nördlicher gelegenen Jakobswegen machen, hier besser nicht.

Wählen Sie das Frühjahr, den Herbst oder gar den Winter, wenn Sie mögen. Bereiten Sie sich ein wenig vor und lassen Sie sich verzaubern von der Faszination des Pilgerns.